Donnerstag, 23. September 2010

Modernization made in Russia. Just another dream of global power?

Modernization made in Russia.
Just another dream of global power?

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Modernisierung“ ist das Schlüsselwort der Präsidentschaft von Dmitrij Medvedev. Seit der Rede des russischen Präsidenten zur Lage der Nation im Herbst 2009 ist der Begriff „Modernisierung“ in der politischen Debatte Russlands allgegenwärtig. Die Gründe für diese Diskussion liegen auf der Hand: Eine ausufernde Korruption, die Ineffizienz von Verwaltung und Bürokratie, fehlende Rechtssicherheit, staatliche Willkür und die große Abhängigkeit vom Rohstoffexport lähmen die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung zunehmend und könnten langfristig den stabilen oder leichtansteigenden Lebensstandard der Bevölkerung, der den gegenwärtigen Machthaber bisher als Legitimationsgrundlage diente, bedrohen.
So legte das Medvedev nahe Institut für Moderne Entwicklung (INSOR) zu Beginn des Jahres einen Bericht vor, der eine umfassende politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Erneuerung forderte und eine „Modernisierung durch politische und wirtschaftliche Konkurrenz“ in den Mittelpunkt stellte. Ob diese Forderungen Widerhall finden werden lässt sich bis jetzt noch nicht absehen. Allerdings bleiben die bisherigen konkreten politischen Bemühungen eher Stückwerk und deuten auf eine technologische Modernisierung – die Schaffung eines russischen Silicon Valley- hin, wobei demokratische Veränderungen weitgehend ausgeklammert werden. Dennoch scheint die Diskussion in Russland noch lange nicht abgeschlossen zu sein.

Was wird in Russland unter Modernesierung verstanden? Welche Formen, Konturen und Auswirkungen wird eine „Modernisation made in Russia“ mit sich bringen? Steht gar eine zweite Perestroika bevor, die das Land grundlegend verändert und letztendlich Demokratie und Rechtstaatlichkeit etabliert? Lassen sich solche tiefgreifenden Reformen überhaupt gegen die Profiteure der gegenwärtigen Verhältnisse durchsetzen? Oder handelt es sich bei den Reformplänen nur um kosmetische Veränderungen, um die Macht der gegenwärtigen Elite zu festigen und zu legitimieren? Steht gar eine Modernisierung von „oben“ nach dem chinesischen Vorbild bevor? Welche Chancen und Risiken ergeben sich durch die russischen Modernisierungsbemühungen in den Beziehungen zur EU oder im speziellen Deutschland? Antworten auf diese und andere Fragen erwarten wir uns an diesem Abend von unseren Referenten. Die Veranstaltung wird von der Passauer Hochschulgruppe „Russia Research Group“ in Kooperation mit der Thomas Dehler Stiftung durchgeführt und findet in englischer Sprache statt.

Wir freuen uns, Sie zu dieser Veranstaltung zu begrüßen.

Veranstaltungsort:
Universität Passau
IT/Zentrum International House Raum 017
Innstrasse 43
93032 Passau