Donnerstag, 15. September 2011

Ein Appell an die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig hinsichtlich der Prämierung des russischen Journalisten Oleg Kaschin für seinen Beitrag zur Pressefreiheit in Russland

Verleihung des Medienpreises durch die Stiftung der Sparkasse Leipzig am 13.Oktober 2011:


Sehr geehrte Damen und Herren,

wir verstehen und unterstützen, sehr wohl, die Bestrebungen der Medienstiftung Presse- bzw. Meinungsfreiheit, im Allgemeinen, über die Grenzen Deutschlands hinaus zu fördern. Hierbei richten sich unsere Augen insbesondere auf Russland, einem der vielen Staaten, die in Bezug auf Journalisten, eine Grausamkeit an den Tag legen, die einen oftmals nur erschaudern lässt.

Seitdem 7.Mai 2000, dem Tag an dem der nun amtierende Premierminister Vladimir Putin seinen Platz im Kreml einnahm, starben 119 Journalisten, darunter die populären regierungskritischen Journalistinnen Anna Politkovskaya und Natalya Estemirova, um nur Wenige herauszuheben. Der sich, über die Jahre hinweg, manifestierende blutige Umgang mit russischen Pressevertretern, welche sich für eine freie Zivilgesellschaft und Bürgerrechte einsetzen, kann nur Wenige nicht erzürnen. Auch der gewaltsame Überfall auf Oleg Kaschin im Jahre 2010 reiht sich ein in die zahlreichen Verletzungen der Menschenrechte, die in Russland mittlerweile zur ständigen Übung gehören. Ein solch grausamer, physischer Angriff auf das Leben eines Pressevertreters, ungeachtet seiner politischen Weltanschauung, kann nur Erschrecken hervorrufen und muss verurteilt werden.

Freilich sind wir uns der Brisanz bzw. der Widersprüchlichkeit unseres Appells bewusst, und wissen auch darum, dass dieser nicht nur auf positive Resonanz seitens der Öffentlichkeit stoßen wird. Nichtsdestotrotz wollen wir, die Damen und Herren, der Medienstiftung, dazu anhalten die Prämierung Oleg Kaschins für seine herausragenden Beiträge zur Pressefreiheit in Russland, zu überdenken.

Oleg Kaschin, ist für viele freiheitsliebende Menschen sowohl in Russland, als auch jenseits seiner Grenzen, der Inbegriff des käuflichen, opportunistischen Journalisten. Über einen erheblichen Zeitraum zählte Hr.Kaschin zu der Riege kremlhöriger Publizisten, die wissentlich und willentlich die politischen Morde der russischen Machthaber deckten, und sich somit die Hände im Blut ihrer mutigen Kollegen wuschen. Insbesondere Kaschins Berichterstattung zu den Morden im Zusammenhang mit Aleksander Litvinenko und Anna Politikovskaya, die ebenfalls Preisträgerin ihres Instituts war, lassen keine Zweifel an dessen Gesinnungslosigkeit aufkommen.

Zwei ganze Tage nach der Ermordung von Anna Politkovskaya am 7. Oktober 2006, ließ er Folgendes in seinem Internet-Blog verlautbaren: "Was an Wahrheiten auf den Tisch kam, ist nicht schlimm genug, um dessenthalben eine Journalistin umzubringen", eben mit jenen Worten machte Kaschin sehr deutlich, welchen Stellenwert er der Pressefreiheit beimisst. Überspitzt ausgedrückt, möchte man meinen, dass Hr.Kaschin sich willfährig der Regierungs-Praxis der außergerichtlichen Hinrichtungen an russischen Journalisten angedient hat, und selbst beinahe Opfer eben jener Praxis wurde.

Die Auszeichnung Kaschins durch ein solch renommiertes Institut, wie dem Ihrigen, wäre ein verheerendes Signal für die demokratischen Bestrebungen in Russland und überdies ein direkter Affront an die Adresse "ehrlicher" russischer Publizisten, von denen es, allen Widrigkeiten zum Trotz, noch sehr viele gibt in unserem Land. Demgemäß möchten wir Sie inständig darum bitten Ihre Entscheidung hinsichtlich der Prämierung des oben Erwähnten zu überdenken.

Hochachtungsvoll,
die unten aufgeführten Unterzeichnenden:

Andrej Schmidt (Russia Research Group)
Alexej Schmidt (Russia Research Group)
George Drugoy (Behind Bars Frankfurt)
Benjamin Namlid (Behind Bars Frankfurt)
Andrey Sidelnikov (Internationale Bewegung "Erheb deine Stimme!")


Russische Version

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